Abstecher zu A. und Ankunft
So, jetzt da ich wieder Internet habe (musste gestern erst mal noch ein Kabel kaufen) ein Bericht der ersten dreieieinhalb Tage auf englischem Boden:
Mein Hinflug und die Zugfahrt am Freitag haben beide problemlos funktioniert, es gab sogar nicht mal Verspätung. Ich hab also mein Gepäck aufgegeben und 30 € Übergepäck gezahlt (die Dame am Checkin hat mir bei meinen 24,5 kg netterweise 1kg draufgegeben) und bin dann zum Gate. Mein Flieger ging ungefähr am letzten Ende des Flughafens und da es mir nach den ganzen Sicherheitskontrollen zu blöd war, meinen Mantel wieder anzuziehen (nachdem ich zwischendrin Mantel, Strickjacke, Schuhe und Gürtel zwei mal aus hatte), bin ich ohne aus dem Bus raus, was ziemlich kalt war. Ganz anders in Birmingham. Hier hat es nämlich ca 8-10° C, dafür ist es meistens bewölkt (was ich aber immernoch angenehmer finde, als die furchtbare Kälte). Als ich ankam, hat in Birmingam sogar die Sonne geschienen, und grade tut sie es auch, wenn aber nicht so kräftig. Genau genommen war über B. am Freitag allerdings das einzige Loch in der Wolkendecke, die ziemlich genau mit der englischen Küste anfing… sehr lustig
Vom Flughafen nach Coventry zu kommen, von wo aus ich zu meiner Cousine fahren konnte, war auch nicht schwer, es gibt nämlich einen Flughafen-Bahnhof-Shuttlezug, bei dem man sich nun wirklich nicht verlaufen kann. Ich habe dann in Coventry auch tatsächlich den richtigen Bus gefunden, nur das Aussteigen war etwas abenteuerlich, weil ich ja nicht wusste, an der wievielten Station ich raus muss (man erinnere sich an A.s Erzählungen zum Busfahren, die scheinen hier eher allgemein gültig zu sein – den Busfahrer hab ich aber verstanden). Es gab dann auch tatsächlich zwei, die fast gleich hießen, und ich bin dann auch etwas mit dem Koffer über den Campus geirrt. Schlimm war das aber nicht, schließlich ist Warwick University – wie Leicester auch – eine Campusuni und man kommt unglaublich schnell überall hin (außerdem hat A. auch ne Wohnung on campus).
Den Freitag Nachmittag und Abend haben wir mit Reden, Teetrinken und experimentellem Kochen verbracht. A. lässt sich nämlich jede Woche eine Kiste mit organic vegetables (also umweltbewusst/schadstoffrei/lokal/usw. produziertem Gemüse) liefern, das geht hier total gut und wird fast überall angeboten. Überhaupt bekommt man im Supermarkt sehr viel mehr umweltbewusste und/oder fairtrade-Produkte als bei uns, und auch zu erschwinglichen Preisen. Allerdings ist, wie sich schon vermuten lässt, das Gemüse in der Kiste immer sehr saisonal und so gab es diesmal Pilze, diverse Rüben (es gibt hier ungefähr drei bis vier Rübenarten, die ich noch nie gesehen habe – Süßkartoffeln, Topinambur und Rote Beete nicht eingeschlossen…), Kohl, Karotten und Kartoffeln, aus denen wir dann mit etwas Tofu eine asiatisch angehauchte Gemüsepfanne produziert haben, die sehr lecker war.
Am Samstag sind wir nachmittags nach Leamington Spa gefahren, das ist ein Nachbarort von Coventry, ein ehemaliger Badeort, in dem eine Freundin von A. wohnt (Italienerin aus Sardinien, an der Uni als Professorin (?) für Wirtschaftswissenschaften oder so ähnlich, und unglaublich lieb). Wir waren etwas einkaufen – ich hab mich aber auf ein Buch über englische customs and festivals (also die ganzen Dinge, auf die sich die Steeleye Span-Lieder beziehen und die ich noch nie verstanden habe) beschränkt, und haben noch Kaffee getrunken und was gegessen. Ich hatte eine Tomatensuppe (da kann nichts schieflaufen) und hab auch von A. Kedgeree probiert, eine schottische Reispfanne mit Erbsen, Fisch und Curry – seeehr lecker! Dann sind wir noch etwas durch die Stadt gebummelt und haben abends bei S. (A.s Freundin) gekocht. Ihre Veggiebox gab Material für im Ofen gebackenes Gemüse mit Ziegenkäse (turnips – eine der dubiosen Rübensorten – Karoffeln, Süßkartoffeln und Karrotten) und Petersilienwurzelsuppe (die kriegt man hier auch ganz leicht) her. Wir haben noch etwas geredet und dann auch bei S. übernachtet, weil keine Busse mehr fuhren.
Am Sonntag sind wir dann zu A.s Wohnung zurückgefahren und ich bin danach auf den Bus, um nach Coventry zu kommen, von wo der National Express Coach nach Leicester ging. Die Fahrkarten muss man im Inet zwar mit Kreditkarte zahlen (A. hat eine), kann sie sich dann aber sogar aufs Handy schicken lassen, wenn man z.B. keinen Drucker hat. Nach Leicester zu kommen war so also ziemlich einfach und hat mich auch nuch ca 8 Pfund gekostet.
In Leicester hab ich am Busbahnhof dann irgendwie die Taxis nicht gefunden und so bin ich mitsamt Koffer einmal quer durch die Innenstadt gelaufen (ca 3 km), was nur wegen dem Koffer etwas beschwerlich war. Zu finden war die Uni ganz einfach, die Stadt ist nämlich super gut ausgeschildert. An der Uni bin ich erst mal etwas rumgeirrt, weil ich nicht genau wusste, wo ich den Schlüssel für mein Zimmer holen muss, hab dann aber nach etwas Rumfragen (die ersten, die ich gefragt habe, waren gleich Deutsche ^^) das warden’s office gefunden, wo ich den Schlüssel holen konnte. Leider war es da schon kurz vor fünf (maximale Ladenöffnungszeit am Sonntag), und da ich den großen Supermarkt hier in der Gegend – Morrison’s muss man sich etwa wie das Kaufland vorstellen, nur mit vieeeel mehr Fertiggerichten – auf die schnelle nicht mehr gefunden habe, hab ich mir nur nebenan im convenience store etwas Toastbrot, Obst und Nutella gekauft. Leider hatte ich so aber auch kein Bettzeug, da hier die Heizung aber voll aufgedreht war (es ist sogar warm, wenn man die ausmacht, da die Heizungsrohre durchs Zimmer laufen) und ich mir von D. ne Fleecedecke ausleihen konnte, war es zum Schlafen gar nicht zu kalt. Viel mehr gestört haben mich eher die Lampen vor dem Fenster, die die ganze Nacht an sind und die durch die Vorhänge an den Seiten leider immer noch ins Zimmer scheinen, obwohl die Vorhänge selber das Licht draußen halten (sehen aus wie Wachstischdecken ^^). Egal, ich musste ja bisher nie wirklich früh aufstehen und auch mein Welcome Programme fängt ab Mi nie früher als 9 an.
Gestern war ich erst mal an der Uni drüben (es gibt einen Bankautomaten) und habe Geld abgehoben, was auch problemlos funktioniert hat. Ich hab mich allerdings nicht getraut, das ganze Geld für die Miete auf einmal abzuheben, weshalb ich heute nochmal da war. 1.100 Pfund auf einmal in Bar zu zahlen – in 20ern, weil der Automat nichts Größeres ausgespuckt hat – war ein merkwürdiges Gefühl, aber auch kein Problem. Da ich ja keine Infos erhalten hatte, wo ich eigentlich hin muss, war ich gestern auch bei der General Reception, wo ich mich dann auch gleich online einschreiben konnte, und beim International Office. Jetzt weiß ich immerhin, wann und wo das Welcoming Programme stattfindet und auch, dass ich mich da auch hätte registieren können… Na ja. Gestern hab ich dann auch die meistern meiner Mitbewohner zumindest mal gesehen. Es gibt wohl 1-2 Chnesinnen, eine Deutsche, einen Franzosen, einen Australier (?, vielleicht war er auch nur ein Semester dort, sowas in der Art hat er jedenfalls erzählt), und noch einen Menschen, von dem ich nicht weiß, wo er her ist… Da das Semester aber erst am 26. anfängt (was ich auch gestern erfahren habe), kann sich das auch noch ändern. Momentan sind noch Prüfungen. Scheinbar bin ich auch in einem weniger gut organisierten Haus gelandet – mehr Haus am Österberg-like -, weshalb die allgemeine Küchenausstattung auch eher spärlich bzw. privat ist. Laut meiner Mitbewohnerin hat wohl der Hausmeister letzthin ziemlich viel weggeworfen, was im Lagerraum rumstand… Na ja, ich hab eine Notfallmail an meine Schwester zwecks Töpfen und Pfanne geschrieben (die Kleinen von Opa sind ja in Tü) und mir dann bei Morrison’s mit D. nicht nur Bettdecke und Kissen, sondern auch noch Putzzeug, Teller, Tasse und Besteck gekauft. Bei 99 Pence für den Teller und jeweils 89 Pence für vier Messer/Gabeln/Löffel ist das doch deutlich billiger als schicken. Essenstechnisch ist die Auswahl – besonders an Fertigsachen – unglaublich groß, ich hab dann aber doch lieber Nudeln und Pesto und die Zutaten für Risotto gekauft…
Testen kann ich den ganzen Kram ja noch später…
Heute Morgen hab ich außer Emails beantworten, Miete bezahlen und Lesen noch nicht so viel gemacht, aber nachher geh ich noch mit D. zum Post Office und vielleicht in die Stadt; ich hab nämlich nur nen kleinen Block mitgenommen und der ist fast alle. Außerdem habe ich mir vorgenommen, die relativ viel freie Zeit, die ich momentan (noch) habe, sinnvoll zu nutzen und aktiv an meinem Wortschatz zu arbeiten. Es ist also wieder Vokabellernen angesagt, ich muss mir nur noch überlegen, wie genau ich das anstellen will.
Antje sagte,
Januar 23, 2009 um 16:05
Das mit den Heizungsrohren im Zimmer kenn ich doch von irgendwoher… ^^
Gemüsekiste klingt gut… Mist, sowas sollte man vielleicht nicht lesen, bevor man einkaufen geht.